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Wie viel Bildschirmzeit ist für Kinder okay?

Von Daniel Weihmann · aktualisiert am 14.09.2026

Kurz gesagt

  • Die Leitlinie der Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt: unter 3 gar keine Bildschirmzeit, 3 bis 6 höchstens 30 Minuten, 6 bis 9 höchstens 30 bis 45, 9 bis 12 höchstens 45 bis 60 Minuten, 12 bis 16 höchstens 2 Stunden.
  • Gemeint ist die freie Bildschirmzeit. Schule und Hausaufgaben zählen nicht mit.
  • Andere Stellen wie Internet-ABC und SCHAU HIN! sind etwas großzügiger. Die Werte sind Richtwerte, keine Grenze auf die Minute.
  • Ab etwa zehn Jahren funktioniert ein Wochenbudget oft besser als ein Tageslimit.

„Wie lange darf mein Kind eigentlich?“ ist vermutlich die häufigste Frage rund ums Handy. Die ehrliche Antwort: Es gibt Empfehlungen, und die unterscheiden sich. Diese Seite zeigt, was die wichtigsten Stellen in Deutschland sagen, warum ihre Zahlen voneinander abweichen und wie du daraus eine Regel machst, die zu deinem Kind passt.

Die Empfehlungen im Vergleich

Die strengsten Werte kommen aus der Leitlinie der Fachgesellschaften für Kinder- und Jugendmedizin (AWMF-Leitlinie 027-075), die zuletzt 2026 geprüft und verlängert wurde. Die großzügigsten nennen Internet-ABC und SCHAU HIN!. Alle Angaben meinen die freie Zeit an allen Bildschirmen zusammen, also Fernseher, Tablet, Handy und Konsole.

AlterLeitlinie (AWMF)klicksafeInternet-ABCSCHAU HIN!
unter 3gar nichtmöglichst vermeidenunter 2: gar nicht, 2 bis 3: 5 bis 10 Min. begleitetam besten gar nicht
3 bis 6höchstens 30 Min. an einzelnen Tagen, begleitethöchstens 30 Min., nicht täglich4 bis 6: höchstens 30 Min.4 bis 5: bis 30 Min.
6 bis 9höchstens 30 bis 45 Min. an einzelnen Tagenhöchstens 30 bis 45 Min.7 bis 10: höchstens 60 Min.bis 1 Std.
9 bis 12höchstens 45 bis 60 Min.höchstens 45 bis 60 Min., Wochenkonto möglich11 bis 12: höchstens 90 Min. oder rund 10 Std. pro Wocheab 10: Wochenkontingent
12 bis 16höchstens 2 Std.höchstens 1 bis 2 Std., bis spätestens 21 Uhrkeine AngabeWochenkontingent

Für Kinder unter fünf gibt es auch Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation. Die sind mit höchstens einer Stunde ab zwei Jahren etwas großzügiger als die deutsche Leitlinie. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, früher BZgA, übernimmt für Kinder bis neun im Kern die Werte der deutschen Leitlinie.

Warum die Zahlen abweichen

Die Leitlinie ist eine medizinische Präventionsempfehlung und folgt dem Grundsatz „je weniger, desto besser“. Internet-ABC und SCHAU HIN! kommen aus der Medienpädagogik und schauen stärker darauf, dass Kinder den Umgang mit Medien lernen müssen. Beide Sichtweisen sind begründet.

Meine Einschätzung: Die Leitlinie ist ein guter Orientierungspunkt, aber kein Maßstab, an dem du dein Kind jeden Tag messen musst. Ob die Zeit am Bildschirm ein Problem ist, zeigt sich weniger an der Minutenzahl als daran, was daneben noch Platz hat: Schlaf, draußen sein, Freunde, Hausaufgaben.

Mehr als Minuten: die Regeln der Leitlinie

  • Kein eigenes Smartphone vor zwölf, keine eigene Spielkonsole vor neun.
  • Nachts keine Geräte im Kinderzimmer. Mindestens eine Stunde vor dem Schlafen ist Schluss mit Bildschirmen, zum Beispiel mit einem gemeinsamen Ablageort.
  • Keine Bildschirme beim Essen.
  • Bildschirm nicht als Belohnung, Strafe oder zum Beruhigen einsetzen.
  • Vorbild sein: In Gegenwart jüngerer Kinder möglichst selbst nicht aufs Handy schauen.
  • Interesse zeigen: Nachfragen, was dein Kind spielt oder schaut, und ab und zu mitmachen.

Tageslimit oder Wochenbudget?

Für jüngere Kinder ist ein klares Tageslimit leichter zu verstehen, zum Beispiel mit einer Sanduhr oder Eieruhr, die sichtbar abläuft. Ab etwa zehn Jahren empfehlen SCHAU HIN! und Internet-ABC ein Wochenbudget. SCHAU HIN! nennt als Faustregel zehn Minuten pro Lebensjahr am Tag oder eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche. Der Vorteil: Dein Kind lernt, sich die Zeit selbst einzuteilen, und der lange Filmabend am Samstag sprengt nicht gleich die Regel.

Wann es zu viel sein könnte

Die Fachstellen nennen als Warnzeichen, wenn ein Kind wegen des Bildschirms Schule, Freunde und Hobbys vernachlässigt, sehr gereizt reagiert, sobald die Zeit um ist, oder kaum noch an etwas anderes denkt. Dann helfen Erziehungsberatungsstellen oder Suchtberatungen, zum Beispiel über die bke-Onlineberatung für Eltern oder das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550.

Quellen