Drittanbietersperre: Abofallen über die Handyrechnung stoppen
Kurz gesagt
- Über die Handyrechnung können fremde Firmen Beträge abbuchen. Ein Tipp auf ein Werbebanner in einer Spiele-App kann schon ein Abo auslösen.
- Die Drittanbietersperre verhindert das. Du hast nach § 61 Absatz 2 Telekommunikationsgesetz einen Anspruch darauf, und sie ist kostenlos.
- Einrichten geht meist in fünf Minuten im Kundenportal oder in der App deines Anbieters.
- Wurde schon abgebucht: innerhalb von acht Wochen nach der Rechnung beanstanden. Abos von Minderjährigen ohne deine Zustimmung sind in der Regel unwirksam.
Kinderhandys laufen oft über den Vertrag der Eltern oder einen Prepaid-Tarif. Beides hat einen Haken, von dem viele erst auf der Rechnung erfahren: Mobilfunkanbieter ziehen nicht nur Geld für Telefonieren und Daten ein, sondern auch für Leistungen fremder Firmen. Dein Kind muss dafür keine Zahlungsdaten eingeben, das Handy wird einfach über die Nummer erkannt.
Wie Abofallen auf die Handyrechnung kommen
Das Muster ist fast immer gleich: In einer kostenlosen Spiele-App läuft Werbung, dein Kind tippt oder wischt auf das Banner, und im Hintergrund entsteht ein Abo. Laut Internet-ABC liegen die Kosten oft bei rund fünf Euro im Monat, und viele Kinder wissen gar nicht, was ein Abo ist.
Seit Februar 2020 ist das schwerer geworden. Die Bundesnetzagentur schreibt vor, dass Abos über die Handyrechnung nur zustande kommen, wenn der Kauf auf einer Bestätigungsseite des Mobilfunkanbieters bestätigt wurde. Ausgeschlossen ist das Problem damit aber nicht, denn ein Kind tippt auch dort schnell auf „Weiter“.
Welche Sperre die richtige ist
Die meisten Anbieter bieten zwei Varianten:
- Teilsperre: Du sperrst einzelne Kategorien, zum Beispiel Abos oder Erotik. Bezahlen im App Store, Handytickets oder Parkscheine per Rechnung bleiben möglich.
- Komplettsperre: Nichts mehr läuft über die Rechnung. Dann gehen aber auch Bus- und Bahntickets oder App-Store-Käufe per Handyrechnung nicht mehr.
Für ein Kinderhandy empfehle ich die Komplettsperre. Käufe im App Store oder bei Google Play steuerst du ohnehin besser über die Kindersicherung des Geräts.
So richtest du die Sperre ein
| Anbieter | Wo | Hinweis |
|---|---|---|
| Telekom | Kundencenter: Verträge > Mobilfunk-Vertrag > Drittanbieter verwalten > Bearbeiten | einzelne oder alle Dienste sperrbar |
| Vodafone | MeinVodafone: Mein Tarif > Mobiles Bezahlen > Einstellung ändern, in der App unter „Mobiles Bezahlen“ | die Option „Drittanbieter Abos sperren“ sperrt nur Abos |
| O2 | Mein o2: Drittanbieterdienste sperren/entsperren | Teilsperre nach Kategorien oder Komplettsperre, auch für Prepaid |
| 1&1 | laut 1&1 im eigenen 5G-Netz standardmäßig gesperrt | Premium-SMS und Sonderrufnummern im Control-Center |
| congstar | App: Mein Vertrag > SIM-Karten & eSIM > Verwalten > Drittanbietersperre setzen | sperrt auch 0900-Nummern |
| ALDI TALK | über die Service-Hotline | Prepaid-Guthaben ist sonst für Drittanbieter nutzbar |
Dein Anbieter ist nicht dabei oder findet sich kein Menüpunkt? Der Anspruch gilt bei allen Mobilfunkanbietern. Dann beantragst du die Sperre formlos schriftlich, die Verbraucherzentrale hat dafür einen fertigen Musterbrief.
Es wurde schon abgebucht: was jetzt?
- Abo-Firma finden. Auf der Rechnung müssen Name, Anschrift, Telefonnummer und Website des Drittanbieters stehen.
- Abo beenden und beim Drittanbieter das Geld zurückfordern.
- Beim eigenen Mobilfunkanbieter beanstanden, am besten schriftlich. Die Frist dafür beträgt acht Wochen ab Zugang der Rechnung.
- Rechnung kürzen: Überweise nur den unstrittigen Betrag und schreib ausdrücklich dazu, welchen Posten du nicht bezahlst. Sonst wird deine Zahlung anteilig auf alle Posten verteilt.
- Hilft das nicht, Beschwerde bei der Bundesnetzagentur einreichen.
Viele Anbieter haben sich außerdem zur Mobilfunkgarantie verpflichtet, darunter Telekom, Vodafone, Telefónica und die 1&1-Gruppe. Meldest du einen unberechtigten Betrag innerhalb von drei Monaten, bekommst du bis 50 Euro ohne weitere Nachweise zurück. Das gilt nicht, wenn der Kauf auf der Bestätigungsseite ausdrücklich bestätigt wurde.
In-App-Käufe sind etwas anderes
Die Drittanbietersperre schützt nur vor Beträgen auf der Handyrechnung. Käufe im App Store oder bei Google Play, die über eine hinterlegte Karte, PayPal oder Guthaben laufen, bleiben davon unberührt. Die sicherst du über das Gerät ab:
- auf dem iPhone mit der Kaufanfrage in der Familienfreigabe, siehe Bildschirmzeit am iPhone
- auf Android mit Google Family Link und der Kaufbestätigung in Google Play, siehe Family Link einrichten
Die Sperre gehört auf die Checkliste, bevor dein Kind das erste eigene Handy bekommt. Welche Regeln ihr sonst noch vereinbart, kannst du im Mediennutzungsvertrag festhalten.
Menüpfade und Angaben zuletzt geprüft am 14.09.2026. Hersteller ändern Menüs und Altersgrenzen regelmäßig. Wenn bei dir etwas anders aussieht, schreib mir bitte (Kontakt).
Quellen
- § 61 Telekommunikationsgesetz: Selektive Sperre zum Schutz vor Kosten
- § 62 Telekommunikationsgesetz: Rechnungsinhalte, Teilzahlungen
- § 67 Telekommunikationsgesetz: Beanstandungen
- Bundesnetzagentur: Drittanbieter oder Abo-Fallen
- Bundesnetzagentur: Neue Regeln zum mobilen Bezahlen (31.01.2020)
- Bundesnetzagentur: Mobilfunkgarantie
- Verbraucherzentrale: Drittanbietersperre, Schutz vor ungewollten Abos
- Verbraucherzentrale: Musterbrief Drittanbietersperre
- Verbraucherzentrale: Musterbriefe bei ungewollten Handyabos
- Verbraucherzentrale: Was dürfen Kinder im Internet einkaufen?
- Internet-ABC: Kinder schützen vor Abzocke und Kostenfallen
- Telekom: Drittanbieterdienste sperren
- Vodafone: Mobiles Bezahlen
- o2: Drittanbieter und Mehrwertdienste
- 1&1: Kostenpflichtige Mobilfunkdienste
- congstar: Drittanbietersperre